Lernen lernen von Anfang an an der Pestalozzischule

1.   Lernen lernen von Anfang an

Kinder sind Forscher. Sie lernen gerne. Sie lernen den ganzen Tag, verknüpfen neue Erfahrungen mit schon vorhandenem Wissen und konstruieren so ihre eigene Welt voller Lebensfreude und Neugier.
„Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie fördert die Entfaltung der Person, die Selbständigkeit ihrer Entscheidungen und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt.“
Schule von gestern vermittelte Inhalte. Schule von heute vermittelt in erster Linie Kompetenzen. Denn Inhalte werden immer vielfältiger und verändern sich immer schneller. Daher ist es wichtig, dass Kinder lernen, sich Inhalte selbstständig anzueignen. Die Beherrschung und das sichere Anwenden von Arbeitstechniken und -methoden sind für schulisches und lebenslanges Lernen unentbehrlich. Ebenso müssen die Schülerinnen und Schüler kommunikative und soziale Kompetenzen erwerben. Methoden, Kommunikation und das Arbeiten im Team müssen eingeführt, gelernt und durch regelmäßige Anwendung geübt, gefestigt und ausgebaut werden. Fehlende Arbeitstechniken und mangelnde Kommunikation und Teamfähigkeit erschweren und behindern das Lernen in allen Fächern.

2.    Lernen lernen – Bedeutung und Ziele

Lernen lernen von Anfang an bedeutet die Förderung der Selbstständigkeit. Selbstständigkeit wird verstanden als Bewusstmachung und Verinnerlichung von Kompetenzen zur Bewältigung schulischer und außerschulischer Lernsituationen. Das Kind soll grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten sowie Handlungsfähigkeiten entwickeln.

Lernen lernen von Anfang an  gibt u.a. Antworten auf die Fragen: Wie eigne ich mir Wissen an, wie arbeite ich zielstrebig mit anderen zusam-men und wie kann ich Wissen präsentieren?
Im Unterricht werden die Kinder dazu ermutigt und systematisch befähigt, auf Fragen und Ideen zunehmend selbstständig Antworten zu fin-den. Dadurch entwickeln sie Motive und Verantwortung für ihr eigenes Lernverhalten. Unser Ziel ist es, dass nach Abschluss der 4. Klasse die Kinder mit Hilfe ihrer Selbstständigkeit und des bisher Gelernten in der Lage sind, die neuen Bildungswege eigenständig zu beschreiten.

3.   Trainingsinhalte

Ausgangspunkt für unser Verständnis von Lernen lernen von Anfang an bildet das gleichnamige Konzept von Cwick / Risters . Es unterscheidet drei Bausteine:

3.1 Methodentraining
•    Nachdenken über das Lernen
•    Methoden der Informationserfassung und –beschaffung
•    Methoden der Informationsverarbeitung und –aufbereitung
•    Methoden der Arbeits-, Zeit- und Lernplanung

3.2 Kommunikationstraining
•    Nachdenken über Kommunikation
•    Zuhören mit Augen und Ohren
•    Übungen zur Förderung des freien Sprechens und Erzählens
•    Miteinander Sprechen
•    Gesprächsführung durch Kinder
•    Argumentieren
•    Vortragen

3.3 Teamtraining
•    Nachdenken über Teamentwicklung und –arbeit
•    Zusammenarbeit mit anderen erleben
•    Fähigkeiten der Gruppenmitglieder erkennen und einsetzen
•    Soziales Lernen: miteinander planen, arbeiten, präsentieren und lernen

4.   Schulinterne Vereinbarungen in Bezug auf Arbeitstechniken und –methoden und im Bereich Kommunikation und Arbeiten im Team

Lern- und Arbeitstechniken sowie Gesprächs- und Kooperationstechniken bilden die Grundlage und die nötige Struktur für ein erfolgreiches Arbeiten und Lernen. Bestimmte Techniken sollten Grundschüler in bestimmten Schuljahren können. Daher führen die Lehrerinnen der Pestalozzischule diese Techniken im Unterricht ein, lassen sie von den Kindern trainieren und kontrollieren deren Einhaltung.

4.1 Lern- und Arbeitstechniken                       
1. - 4. Schuljahr: Mit Arbeitsmaterial sorgsam umgehen                         
1. - 4. Schuljahr: Arbeitsplatz in Ordnung halten                                    
1. - 4. Schuljahr: Ausschneiden, Falten, Kleben etc.                             
1. - 4. Schuljahr: Hausaufgaben übersichtlich notieren                           
1. - 4. Schuljahr: Arbeitsblätter lochen und richtig abheften                    
1. - 4. Schuljahr: Heftseiten übersichtlich gestalten                               
2. - 4. Schuljahr: Mit Lineal arbeiten                                                     
2. - 4. Schuljahr: Sortieren nach dem ABC                                           
2. - 4. Schuljahr: Nachschlagen in Listen und Büchern                          
1. - 4. Schuljahr: Wesentliches Finden / Markieren                                
2. - 4. Schuljahr: Oberbegriffe finden und nutzen                                  
3. - 4. Schuljahr: Tabellen und Schaubilder zeichnen                             
2. - 4. Schuljahr: Mindmap erstellen                                                    
2. - 4. Schuljahr: Tableset                                                                  
2. - 4. Schuljahr: Stichwortzettel                                                        
1. - 4. Schuljahr: Kartenabfrage                                                          
2. - 4. Schuljahr: Plakate gestalten                                                      
1. - 4. Schuljahr: Kontrollieren von Hausaufgaben im Klassenverband   
1. - 4. Schuljahr: Eigenkontrolle (z.B. Klassenarbeiten, Abschriften)       
3. - 4. Schuljahr: Arbeitszeit geschickt einteilen                                    
3. - 4. Schuljahr: Zielstrebig planen und arbeiten                                  
3. - 4. Schuljahr: (Versuchs-)Ablauf protokollieren                               

4.2 Gesprächsmethoden  
1. - 4. Schuljahr: Laut und deutlich sprechen   
1. - 4. Schuljahr: Melderegeln beachten   
1. - 4. Schuljahr: Blickkontakt  
1. - 4. Schuljahr: Meldekette   
1. - 4. Schuljahr: Ausreden lassen   
2. - 4. Schuljahr: Bezugnehmen auf den Vorredner       
1. - 4. Schuljahr: Nachfragen   
2. - 4. Schuljahr: Eigene Meinung begründen       
2. - 4. Schuljahr: Gesprächsleitung übernehmen       
3. - 4. Schuljahr: Argumentieren           
3. - 4. Schuljahr: Stummes Schreibgespräch            
2. - 4. Schuljahr: 4x4-Eckengespräch        
2. - 4. Schuljahr: Vortrag       

4.3 Kooperationsmethoden
1. - 4. Schuljahr: Gruppenzusammensetzung akzeptieren   
3. - 4. Schuljahr: Arbeit in der Gruppe aufteilen         
3. - 4. Schuljahr: Die bekannten Rollen akzeptieren           
2. - 4. Schuljahr: Alle Gruppenmitglieder mit einbeziehen       
1. - 4. Schuljahr: Den Gruppenmitgliedern helfen   
2. - 4. Schuljahr: Andere Ideen / Vorschläge zulassen      
3. - 4. Schuljahr: Eigene Ideen selbstbewusst einbringen          
2. - 4. Schuljahr: Bei Konflikten vermitteln      
3. - 4. Schuljahr: Ergebnisse kooperativ präsentieren          
2. - 4. Schuljahr: Teamfähigkeit gelegentlich bewerten       

Kinder, die die o.g. Techniken und Methoden beherrschen, sind in der Lage auch selbstständig zu arbeiten. Ziel ist es, dass Kinder bei der Bearbeitung eines Themas eigenständig aus einer Palette von Techniken und Methoden diejenigen auswählen, die sie für die Bearbeitung des Inhalts für geeignet halten. Hierdurch wird individuelles Arbeiten gewährleistet und offene Unterrichtsformen wie Werkstattarbeit, Lernen an Stationen, Freie Arbeit, Wochenplan und  Projektarbeit möglich.

In den Schuljahren 2, 3 und 4 wird einmal im Jahr zu einem Thema ein Lernarrangement durchgeführt, von der Aktivierung des Vorwissens über die Beschaffung und Verarbeitung von Informationen bis hin zu ihrer Sicherung. Hierfür nutzen die Schülerinnen und Schüler zunehmend eigenständig die eingeführten Lern- und Arbeitstechniken, Gesprächs- und Kooperationsmethoden.

Die Schülerinnen und Schüler lernen im Laufe der Grundschulzeit verschiedene Methoden zur Reflexion und Dokumentation des eigenen Lernens kennen und wenden diese an (z.B. Gespräche, Lerntagebuch / Portfolio, Themenhefte …).

5.   Rolle der Lernbegleiter / Lehrpersonen

Die Lernbegleiter/ Lehrpersonen treten in diesem Unterricht in den Hintergrund. In jeder Trainingsphase lassen sie den Kindern Zeit, sich im Miteinander mit anderen zu erleben und auszuprobieren. Dadurch, dass sie Vertrauen in die Lernprozesse eines jeden Kindes haben, können sie aufgeworfene Fragen, erworbene Erfahrungen und unterschiedlichste Lernschritte zulassen. Für individuelle Fragen bieten sie Hilfestellungen und Tipps.

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