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Konzept zur Förderung von Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten

Inhalt:
- LRS - Definition
- Prävention
- Förderung
- Organisation
- Evaluation
1. Definition

Die Buchstabenfolge LRS steht für Lese- Rechtschreibschwierigkeiten beim
Schriftspracherwerb. Die augenblickliche fachwissenschaftliche Diskussion
beschreibt LRS jedoch umfassender und zwar als „variables Syndrom mit multipler
Verursachung“.
Hierzu gehören:
- schulische (Didaktik, Methodik, Lehrerverhalten)
- soziale (Lernumfeld)
- emotionale (Lernfreude, Selbstvertrauen)
- kognitive (Lese- und Schreibentwicklung, Denkstrategie,
Wahrnehmung, Sprache)
- physiologische (Motorik, Seh- und Hörfähigkeit) Faktoren,
sowie das Lern- und Arbeitsverhalten.
Die Schule kann nicht auf alle LRS bedingende Faktoren reagieren, sondern
ist der Ort der methodisch-didaktischen Planungen und Entscheidungen im
Schriftspracherwerb, aufbauend auf den Lernvoraussetzungen der Kinder.
Das bedeutet, dass Lernprozesse zu beobachten und Lernentwicklungsstörungen
frühzeitig zu diagnostizieren sind, um geeignete Maßnahmen zur vorbeugenden
Förderung der Kinder anzubieten.
2. Prävention

Früherkennung setzt daher bereits im Vorschulalter an. Ab 2007 erfolgt
landesweit bei allen Kindern ab dem 4. Lebensjahr eine Feststellung der
sprachlichen Kompetenz, denn gute Kenntnisse der deutschen Sprache sind
Grundvoraussetzungen für den späteren Erfolg in der Schule im Allgemeinen
und speziell auch für das Lesen und Rechtschreiben. Entwicklungsstörungen
des Lesens und Schreibens gehen Entwicklungsstörungen des Sprechens oder
der Sprache voraus. Kinder, deren Sprachkompetenz noch nicht altersgemäß
entwickelt ist, werden im Kindergarten gezielt gefördert.
Reichen vorschulische und schulische Fördermaßnahmen nicht aus, wird auch
Hilfe von außerschulischen Fachkräften in Anspruch genommen.
Der Anfangsunterricht an der Pestalozzischule beugt den evtl. auftretenden
Schwierigkeiten insofern vor, als
- der Unterricht kind- und handlungsorientiert ist (Werkstätten,
Lernen an Stationen)
- Lehrwerke und Materialien eingesetzt werden, die den
gesicherten Erkenntnissen zum Schriftspracherwerb entsprechen (z.B.
die Anlauttabelle)
- Methodentraining durchgeführt
- Lernen mit allen Sinnen ermöglicht wird,
- tägliche Förderungen im Förderband zu den Basiskompetenzen
im Schriftspracherwerb stattfinden (Sehen, Hören, Sprechen, Wahrnehmen)
darüber hinaus auch zur Motorik und Konzentration
- im Unterricht innere Differenzierung sowie Förderunterricht
in gewohnter Lerngruppe erfolgt, um im unmittelbaren Zusammenhang mit
dem Unterrichtsstoff auftretende Lernschwierigkeiten und -lücken durch
individuell abgestimmte Hilfen zu beheben.
3. Förderung

Eine zusätzliche Förderung in eigens eingerichteten LRS-Kursen erfolgt,
wenn Lernschwierigkeiten durch die allgemeinen Maßnahmen allein nicht behoben
werden können.
Wenn ein Kind auch nach dem 1. Schuljahr
- noch häufig formähnliche Buchstaben verwechselt (b-d,
ie-ei, p-q)
- Schwierigkeiten hat, klangähnliche Buchstaben zu unterscheiden
(e-i, u-o, s-z),
- Buchstaben oder Silben innerhalb eines Wortes vertauscht
(Bort statt Brot)
- innerhalb eines Wortes auch Buchstaben vergisst (Tefon
statt Telefon)
- sich die richtige Schreibweise häufig geübter Wörter
einfach nicht merken kann
- Schwierigkeiten hat, Buchstaben zu Wörtern zu verschleifen
- langsam, fehlerhaft, ratend liest
- verkrampft und unleserlich schreibt,
dann sind dies Anzeichen, die auf eine Lese-Rechtschreibschwäche hinweisen.
Zusätzlich können Kinder leiden unter
- Schulangst
- Bauchschmerzen
- Aggressivität
- Zappeligkeit
- Rückzug
Zur Diagnostik wird die HSP (Hamburger Schreibprobe), ein erprobtes Testverfahren,
eingesetzt.
Die Förderung erfolgt nach Problemgruppen, auch jahrgangsübergreifend
und bezieht sich auf folgende Bereiche:
3.1 Förderung der phonologischen Bewusstheit
Sie bezieht sich auf die Gliederung von Lautfolgen nach einzelnen Phonemen
und beinhaltet spezifische Fähigkeiten: Anfangslaute erkennen, Laute synthetisieren,
Lautanzahl in einem Wort erfassen oder Lautumstellungen, Reimerkennung und
Gliederung von Wörtern uns Silben.
Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb stehen in Wechselwirkung
und beeinflussen sich gegenseitig. Phonologische Bewusstheit ist sowohl
Voraussetzung als auch wichtiger Begleitprozess für den Schriftspracherwerb.
3.2 Strategien und Übungen mit der „Fresch-Methode“ (Freiburger Rechtsschreibschule)
Grundlage dieser Methode ist das rhythmisch-melodische Sprechschwingen
in Silben und die Gleichzeitigkeit von Sprech- und Schreibmotorik. Das Prinzip
ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Dies ist wiederum die Basis zum Richtigschreiben,
auf der dann das Rechtschreiben aufbaut.
LRS-Förderung ist darüber hinaus ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt
für die jeweiligen Klassen- bzw. Deutschlehrerinnen in Kooperation mit den
Fachkräften. Im Klassenunterricht wird darauf geachtet, dass die erlernten
Strategien aus der Förderung zur Übung und Festigung angewandt werden.
4. Organisation

Zurzeit bestehen an der Pestalozzischule drei Fördergruppen. Die Gruppengröße
umfasst 5 - 12 Schüler.
Der Förderunterricht für den Bereich der phonologischen Bewusstheit findet
zweimal wöchentlich statt,
die Förderung mit der Fresch-Methode jeweils einmal wöchentlich für Anfänger
und Fortgeschrittene.
Die Förderkurse sind zunächst auf ein Schuljahr ausgerichtet.
5. Evaluation

Am Ende eines Schuljahres überprüft die Förderlehrerin mit der HSP den
Erfolg der Fördermaßnahme und tauscht sich mit der Klassenlehrerin über
weitere Förderung aus. Diese bespricht das weitere Vorgehen mit dem Kind
und seinen Eltern.

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